Handwerk

MyHammer, Check24 & Co.: Was Handwerker für Aufträge wirklich bezahlen

Handwerkerportale wie MyHammer oder Check24 Profis versprechen Aufträge auf Knopfdruck. Bezahlt werden aber nicht Aufträge, sondern Kontakte — und ein Kontakt ist noch lange kein Auftrag. Wer wissen will, ob sich ein Portal lohnt, muss eine einzige Zahl kennen: die Kosten pro gewonnenem Auftrag. Dieser Artikel zeigt, wie sich diese Zahl zusammensetzt, rechnet ein realistisches Beispiel durch und erklärt, ab wann eine eigene Website für einen Handwerksbetrieb in der Seenplatte günstiger ist.

Was kostet MyHammer für Handwerker?

MyHammer ist für Auftraggeber kostenlos, für Handwerker dagegen ein bezahlter Vertriebskanal. Das Modell besteht aus zwei Teilen: einem Monatsabo und einer Kontaktgebühr pro Anfrage, die Sie freischalten. Erfahrungsberichte und Preisvergleiche aus 2025 und 2026 nennen Abos zwischen 59,90 und 149,90 Euro netto im Monat sowie Kontaktgebühren von etwa 8 Euro für Kleinreparaturen bis über 70 Euro für größere Sanierungen. Häufig gilt eine Mindestlaufzeit von 12 Monaten mit automatischer Verlängerung. Eine Provision auf den Auftragswert erhebt MyHammer in der Regel nicht — Sie zahlen also auch dann, wenn aus dem Kontakt kein Auftrag wird. Die Konditionen ändern sich regelmäßig und unterscheiden sich je nach Gewerk und Region. Lassen Sie sich das aktuelle Angebot deshalb immer schriftlich geben und prüfen Sie vor allem die Kündigungsfrist.

Wie funktioniert Check24 Profis für Handwerker?

Check24 Profis arbeitet nach dem Pay-per-Lead-Prinzip: Die Registrierung ist kostenlos, bezahlt wird jede Kundenanfrage, die Sie annehmen — unabhängig davon, ob daraus ein Auftrag entsteht. Der entscheidende Punkt ist, dass eine Anfrage meist an mehrere Betriebe gleichzeitig geht. Sie zahlen also für das Recht, gegen drei oder vier Mitbewerber ein Angebot abzugeben. Ein Küchenmontage-Betrieb aus Hamburg beschreibt seine Bilanz so: rund 200 Euro Vermittlungsgebühren im Monat, daraus etwa 20 Anfragen und zwei bis drei Aufträge. Das entspricht 70 bis 100 Euro pro gewonnenem Auftrag — bevor eine einzige Stunde gearbeitet ist. Bei Gewerken mit kleinen Auftragswerten, etwa Montagen für 300 Euro, frisst diese Gebühr einen großen Teil des Deckungsbeitrags.

Was kostet ein Auftrag über ein Portal wirklich?

Die Kosten pro Auftrag ergeben sich aus einer einfachen Formel: Portalkosten im Monat geteilt durch gewonnene Aufträge im Monat. Ein Rechenbeispiel mit typischen Werten — die Zahlen sind Annahmen, setzen Sie Ihre eigenen ein:

Position Rechenbeispiel
Monatsabo 79,90 €
Freigeschaltete Kontakte 15 × 25 € = 375,00 €
Portalkosten pro Monat 454,90 €
Abschlussquote 1 von 5 Kontakten
Gewonnene Aufträge 3
Kosten pro Auftrag rund 152 €
Portalkosten pro Jahr 5.458,80 €

Zwei Kosten fehlen in dieser Tabelle noch: Ihre Zeit für zwölf Angebote, die nicht angenommen werden, und die Fahrten zu Besichtigungen ohne Ergebnis. Rechnen Sie pro verlorenem Angebot nur eine Stunde, kommen in diesem Beispiel noch einmal 12 Stunden im Monat dazu.

Warum sind Portal-Anfragen oft schlechter als direkte Anfragen?

Portal-Anfragen sind Preisvergleichs-Anfragen. Der Kunde hat bewusst eine Plattform gewählt, die ihm mehrere Angebote nebeneinanderlegt — er sucht in erster Linie den günstigsten Preis, nicht den passenden Betrieb. Handwerker berichten außerdem von unvollständigen oder falschen Projektangaben: Aus „Bad komplett sanieren" wird bei der Besichtigung ein tropfender Wasserhahn. Eine direkte Anfrage über die eigene Website ist anders: Der Kunde hat Ihre Referenzen gesehen, Ihre Bewertungen gelesen und sich für Sie entschieden, bevor er schreibt. Er vergleicht nicht fünf Angebote, sondern prüft, ob Sie Zeit haben. Das zeigt sich in drei Punkten: höhere Abschlussquote, weniger Preisdruck und Kunden, die wiederkommen und Sie weiterempfehlen. Hinzu kommt: Bewertungen, die Sie auf einem Portal sammeln, gehören dem Portal. Kündigen Sie, sind sie für Sie verloren.

Ab wann lohnt sich eine eigene Website statt eines Portals?

Eine eigene Website lohnt sich, sobald ihre Kosten über die Nutzungsdauer niedriger sind als die Portalkosten im selben Zeitraum — und das ist bei fast jedem Betrieb mit regelmäßigen Portalausgaben der Fall. Eine professionelle Handwerker-Website kostet bei Vias Media einmalig einen Betrag im höheren dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Euro-Bereich, dazu kommen etwa 10 bis 20 Euro im Jahr für die Domain. Im Rechenbeispiel oben entsprechen die Portalkosten eines Jahres also mehreren Websites.

Handwerkerportal Eigene Website
Kostenmodell laufend: Abo + Gebühr pro Kontakt einmalig + Domain
Konkurrenz pro Anfrage mehrere Betriebe gleichzeitig keine — der Kunde kommt zu Ihnen
Bewertungen gehören dem Portal Google-Bewertungen gehören zu Ihrem Profil
Wirkung nach Kündigung endet sofort bleibt und wächst mit jedem Projekt
Anlaufzeit sofort 3 bis 6 Monate bis zu stabilen Google-Platzierungen

Der ehrliche Nachteil der Website ist die Anlaufzeit. Wie lange es dauert, bis ein Betrieb bei Google sichtbar wird und was dafür nötig ist, beschreibt der Artikel Wie Handwerksbetriebe bei Google gefunden werden.

Wie steige ich aus einem Portal aus, ohne Aufträge zu verlieren?

Der sichere Weg ist ein Parallelbetrieb von drei bis sechs Monaten. Kündigen Sie das Portal nicht sofort, sondern zum nächsten möglichen Termin — bei 12 Monaten Laufzeit liegt der oft ohnehin in einigen Monaten. In dieser Zeit bauen Sie die eigene Sichtbarkeit auf:

  1. Website mit einer Seite je Leistung veröffentlichen — „Badsanierung", „Heizungstausch", „Dachreparatur", jeweils mit Ort.
  2. Google-Unternehmensprofil vollständig einrichten und mit der Website verknüpfen.
  3. Jeden zufriedenen Portalkunden um eine Google-Bewertung bitten — nicht um eine Portalbewertung.
  4. Anfragen zählen: Notieren Sie jeden Monat, wie viele Anfragen über Website, Google-Profil, Portal und Empfehlung kamen.
  5. Kündigen, sobald Website und Profil zusammen mehr Anfragen bringen als das Portal.

Diese Zählung ist der wichtigste Schritt. Ohne sie entscheiden Sie nach Gefühl, mit ihr nach Zahlen.

Häufige Fragen

Lohnt sich MyHammer für Handwerker überhaupt noch?

Für Betriebe, die gerade gründen und noch keine Bewertungen und keine Sichtbarkeit bei Google haben, kann ein Portal für einige Monate die Auftragslücke füllen. Als dauerhafter Kanal ist es teuer, weil Sie für jeden Kontakt zahlen und mit mehreren Betrieben um denselben Kunden konkurrieren. Rechnen Sie Ihre Kosten pro Auftrag mit der Formel aus diesem Artikel aus.

Gibt es eine kostenlose Alternative zu MyHammer?

Das Google-Unternehmensprofil ist kostenlos und für lokale Suchen wie „Elektriker Neubrandenburg" der wirksamste Kanal. Zusammen mit einer eigenen Website, auf die das Profil verlinkt, ersetzt es für die meisten Betriebe das Portal — mit dem Unterschied, dass keine Gebühr pro Anfrage anfällt.

Kann ich Portal und eigene Website gleichzeitig nutzen?

Ja, und für den Übergang ist das sogar sinnvoll. Achten Sie darauf, dass Name, Adresse und Telefonnummer im Portal, im Google-Profil und auf der Website identisch geschrieben sind. Abweichende Schreibweisen schwächen Ihre Sichtbarkeit bei Google.

Wie schnell bringt eine eigene Website Anfragen?

Erste Anfragen kommen oft in den ersten Wochen über das verknüpfte Google-Unternehmensprofil. Stabile Platzierungen für umkämpfte Suchbegriffe brauchen realistisch drei bis sechs Monate. Wer schnellere Ergebnisse verspricht, verkauft meist bezahlte Anzeigen.

Wenn Sie Ihre Portalkosten mit einer eigenen Website vergleichen möchten, rechne ich das gern mit Ihren echten Zahlen durch — im kostenlosen Erstgespräch, persönlich in der Seenplatte oder am Telefon.

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